Zwei Wochen Strand. Immer wieder.
Ein persönlicher Atlas für zwei Wochen auf einem sehr vertrauten Campingplatz
Unser Cavallino-Atlas
Anreise
Mit dem Wohnwagen ist man sowieso langsam unterwegs. Deshalb fahren wir oft gleich die Landstraßen: über den Felbertauerntunnel, die Dolomiten und dann von Belluno geradeaus runter nach Cavallino. Das ist ungefähr 100 Kilometer kürzer als über die Tauern- oder die Brennerautobahn, landschaftlich ein Traum und praktisch immer staufrei, außer um München herum. Aber egal wann und wie wir fahren, wir brauchen immer zehn Stunden. Mit Pausen. Und sogar für die Pausen haben wir schon Lieblingsorte.

Loacker
Kein Geheimtipp mehr
Bei Loacker in Heinfels ist immer viel los. Hier treffen sich Radwanderer vom Pustertal-Radweg, Urlauber und Durchreisende wie wir für Kaffeespezialitäten, Patisserie und natürlich Waffeln im Werksverkauf. Das alles und ein prima Parkplatz machen ihn zu einem Traditionsstopp für uns.

Dürrensee
Picknick mit Bergblick
Der Dürrensee ist ein Stopp, der aus einer langen Fahrt etwas anderes macht. Auf dem Weg nach Süden ist es manchmal schwer, hier mit dem Gespann einen Parkplatz zu finden. Auf dem Heimweg ist das meist einfacher, weil man schon auf der richtigen Straßenseite unterwegs ist. Wohnwagen abstellen, Proviant raus, Berge ansehen. Mehr braucht es nicht. Das Café serviert hervorragenden Apfelstrudel.

Der erste italienische Raststättenkaffee
Ab hier geht es fast nur geradeaus nach Süden
Fast nirgends schmecken Espresso und Cappuccino besser als an einer italienischen Autobahnraststätte. Bei Ponte nelle Alpi Ovest gibt es die erste beziehungsweise letzte Gelegenheit dafür, wenn wir den Weg durch die Dolomiten nehmen. Und die nutzen wir.

Brenner
Italien, da sind wir
Manchmal fahren wir über den Brenner nach Cavallino. Erst recht fahren wir hier, wenn wir andere Ziele in Italien haben. Und obwohl wir wissen, dass wir noch in Südtirol sind, beginnt hier für uns Italien. Oft legen wir einen kurzen Halt im Outlet ein. Ein kurzer Bummel, ein guter Kaffee und weiter geht’s.
Rund um Cavallino und in der Lagune
Unser Urlaub spielt nicht nur auf dem Campingplatz. Die Halbinsel, die Lagune und Venedig gehören dazu – nicht als Pflichtprogramm, sondern als vertraute Auswahl, aus der man je nach Wetter, Lust und Tagesform auswählt.

Cavallino
Der praktische Mittelpunkt außerhalb des Platzes
Cavallino ist für uns kein Ausflugsort, obwohl der Platz um die Kirche herum am Wasser jedes Jahr hübscher geworden ist. Aber es gehört fest zu unserem Urlaub. Großeinkauf bei Alì: 8 Sixpacks Wasser, 15 Flaschen Tourtel, eine Flasche Pinot Grigio, Kalbsschnitzel, Grana Padano, Gran Biscotto, Crudo di Parma, ganz viel frisches Obst und Gemüse, manchmal zehn Packungen Vialone oder Pasta für daheim. Manchmal Pizza am Kreisel mit Freunden. Markt am Dienstag ist nicht unbedingt unser Ding.

Vianello
Frühstück außerhalb der Ferienblase
Bei Vianello sitzen Camper neben Einheimischen, Handwerkern, Familien und Menschen auf dem Weg zur Arbeit. Bei Kaffee und Brioche. Es ist kein spektakulärer Ort. Aber einer, an dem wir sehr gern für eine halbe Stunde sitzen und zuschauen, wie der Morgen in Italien beginnt.
Lido di Jesolo
Shoppingparadies und Strandpromenade
Lido di Jesolo ist das Adria-Klischee: eine kilometerlange Strandpromenade, an der sich Liegestuhl an Liegestuhl reiht. Parallel dazu die Shopping- und Restaurantmeile. Unglaublich viel Touristenware. „Ramsch“ ist nicht das falsche Wort. Trotzdem fahren wir manchmal hin – erstens, um ins Klischee einzutauchen, und zweitens, weil es dazwischen das eine oder andere Geschäft gibt, in dem wir uns umschauen wollen. Wenn das Wetter trüb aussieht, kann die Strecke, die normalerweise 20 Autominuten dauert, allerdings zur Odyssee werden.
McArthurGlen Outlet in Noventa di Piave
Outlet auf Italienisch
Wir haben daheim selbst ein Outlet vor der Haustür. Trotzdem fahren wir fast immer einmal nach Noventa di Piave. Das Outlet hier hat doch einen italienischen Touch. Außerdem liegt auf der anderen Seite des Kreisels das Calzedonia/Intimissimi/Tezenis Outlet. Wir versuchen, zur Öffnung um 10 da zu sein. Später wird selbst an normalen Tagen der Parkplatz schnell voll und die Abfahrt langwierig. Am besten parkt man sowieso bei Calzedonia. Von dort kommt man meist schneller wieder weg.
Punta Sabbioni
Übers Wasser nach Venedig
Wenn man in Punta Sabbioni mit dem Schiff ablegt, ist man schon irgendwie in Venedig. Nicht nur, weil die Boote zum venezianischen Nahverkehr gehören. Vor allem, weil man übers Wasser fährt – und genau das macht Venedig für uns am Ende aus. Der letzte Teil der Fahrt ist jedes Mal für sich spektakulär. Man fährt mitten durch das Treiben auf dem Wasser und kommt ganz in der Nähe des Markusplatzes an. Das ist etwas anderes, als das Auto im Parkhaus an der Brücke nach Venedig abzustellen.
Faro di Punta Sabbioni
Wo früher die Kreuzfahrtschiffe fuhren
Der Leuchtturm von Punta Sabbioni markiert die Einfahrt vom offenen Meer in die Lagune von Venedig. Früher konnte man hier morgens und abends die Kreuzfahrtschiffe auf ihrem Weg nach und von Venedig ganz nah sehen. Dass diese Schiffe heute nicht mehr mitten durch die Kanäle fahren, finden wir gut. Am Chiosco del Faro sitzt man trotzdem perfekt bei einem koffeinhaltigen Heißgetränk und beobachtet das Treiben am Strand und rund um den Leuchtturm.

Marina di Venezia Camping Village
Der andere große Platz
Der „Venezia“ ist das große Pendant zum Union Lido am Küstenstreifen östlich von Venedig. Es gibt überzeugte Fans des einen oder des anderen Platzes. Oft hört man: „Wir haben den anderen ausprobiert, aber hier gefällt es uns besser.“ Vermutlich rastet man einfach bei dem Platz ein, auf dem man angefangen hat oder auf dem man schon als Kind war. Schließlich geht es hier um eine Art Urlaub, bei der man nicht immer etwas Neues entdecken muss.
Lio Piccolo
Flamingos statt Ferienbetrieb
Man fährt auf dem neuen Radweg Richtung Punta Sabbioni. Nach Treporti geht es rechts über die Brücke, dann vor dem Friedhof noch einmal rechts und ein Stück weiter links hinaus in die Lagune, vorbei an Feldern, Wasserflächen und schmalen Wegen. Mit etwas Glück sieht man rosa Flamingos im flachen Wasser stehen. Lio Piccolo ist, wie der Name schon andeutet, winzig. Noch ein Stück weiter endet der Weg an einem Restaurant. Weiter geht es höchstens mit dem Boot. Der Kontrast zum nahen Campingplatz ist groß genug, dass man kaum glauben mag, wie wenig Strecke dazwischenliegt.

Venedig
Die große Nachbarin
Dass eine der besondersten Städte der Welt praktisch um die Ecke liegt, vergisst man fast, wenn man auf dem Campingplatz lebt. Aber spätestens wenn man mit dem Schiff in San Zaccaria anlegt, spürt man wieder, warum die ganze Welt hierher kommt. Nach so vielen Besuchen müssen wir Venedig nicht mehr schaffen. Wir können für eine Ausstellung hinüberfahren, für eine Fahrt mit dem Vaporetto auf den Kanälen, für eine Kirche, einen langen Spaziergang oder ein Abendessen. Gerade diese Freiheit verändert den Blick: Die Stadt wird weniger Programmpunkt und mehr Nachbar – ein ziemlich außergewöhnlicher allerdings.
Lido di Venezia und Pellestrina
Mit dem Fahrrad durch die Lagune
Fahrrad, Fähre, wieder Fahrrad. Der Weg über den Lido und weiter nach Pellestrina, vielleicht sogar bis Chioggia, gehört zu den Ausflügen, bei denen schon die Fortbewegung die Geschichte trägt. Meer und Lagune bleiben fast ständig in Reichweite, die Dörfer werden kleiner und Venedig fühlt sich gleichzeitig sehr nah und sehr weit weg an. Für uns vielleicht die schönste Fahrradtour in der Gegend. Nur der Rückweg kann kompliziert werden.
Auf dem Union Lido
Hier werden die Entfernungen kürzer. Der Stellplatz, der Strand, die Bäder, die Pizzeria, die Strandbar und das Waschhaus liegen nah beieinander. Nach 25 Jahren tragen manche dieser Orte mehr Geschichten als Sehenswürdigkeiten.

Unser Stellplatz hinter der Mauer
Für zwei Wochen Mittelpunkt der Welt
Wohnwagen, Vorzelt, Fahrräder, Kabel, Schuhe, Handtücher und Sand. Die Grundausstattung ändert sich weniger als die Menschen, die darin leben. Früher zwei Erwachsene, drei kleine Kinder und Aufblastiere in jeder Form und Größe. Später Jugendliche mit eigenen Zelten und eigenen Wegen. Heute kommen wir meist zu zweit. Aber auch unsere mittlerweile erwachsenen Kinder geben manchmal noch ihrer Sehnsucht nach.

Der Strand
Sand. Viel Sand.
Das Wasser ist anderswo klarer. Dafür ist der Strand hier riesig. Vom Leuchtturm in Punta Sabbioni bis zum Leuchtturm von Cavallino sind es fast 15 Kilometer Strand. Der ist hier 50 bis 100 Meter breit. Vor dem Union Lido liegen davon etwa 1,2 Kilometer. Über die ganze Länge des Strandes wechseln sich Abschnitte ab, die über Campingplätze zugänglich sind, Abschnitte, die über öffentliche Zugänge leicht erreichbar sind, Bereiche mit Mietsonnenschirmen und -liegestühlen, Strandkioske, manchmal Spielplätze. Vor allem aber ist da Sand, viel Sand. Mit Kindern ist das optimal, gerade wegen des Sands und weil es ganz flach ins Wasser geht. Aber selbst zu zweit ist es prima, weil man selbst in der Hochsaison weiter hinten Plätze findet, an denen man sich nicht umzingelt fühlt. Hier ist für uns Sommerurlaub.

Lido 55
Kaffee und gelegentlich ein Aperol Spritz am Strand
Die zuverlässige Antwort auf die Frage, ob man für einen Kaffee wirklich weit gehen muss. Muss man nicht. Lido 55 ist ungefähr 50 Meter von unserer Stranddecke entfernt. Morgens ein Caffè, am Nachmittag ein Cappuccino, manchmal auch ein Aperitivo.

Pizza&Sapori
Pizza als Familienritual
Hier kann es leicht passieren, dass 20 Menschen vor einem in der Schlange stehen, um Pizza zum Mitnehmen zu bestellen. Dieselben 20 Menschen warten dann vor einem, bis ihre Pizzen fertig sind. Man stellt sich trotzdem an. Nach der Anreise und am Abend vor der Abreise ist Pizza von hier schon ein Ritual. Und irgendwann zwischendrin auch.

Laguna, Mare und Morbidosi
Kinderprogramm
Bäder, Rutschen und Hüpfburgen haben in unserer Erinnerung unterschiedliche Entwicklungsstufen der Kinder markiert. Für Eltern bedeutete das gelegentlich langes Sitzen am Rand. Besonders im Morbidosi: auf einer der viel zu wenigen Bänke, die Füße barfuß auf dem quietschigen Kunstrasen und alle 30 Minuten auf der Suche nach den Kindern, die im Labyrinth der Hüpfburgen verschwunden waren. Für Kinder ist manchmal einfach besser als spektakulär. Deshalb ist vielleicht auch das „alte“ Mare mit seinen kleinen Gummihügeln, Rutschen und dem Strömungskanal die beste Erinnerung.

Marino Wellness&Spa
Spa im Sommer
Als der „Marino Club“ eröffnete, haben wir uns gefragt, was ein Spa an einem Campingplatz soll, auf dem es um Sonne und Sand geht – nur um später zu regelmäßigen Besuchern zu werden. Früher standen wir, wenn die Wettervorhersage nicht ganz so gut war, am Familienvormittag als eine der Ersten vor der Tür, weil die Einlasszahlen begrenzt sind. Drinnen toben dann die Kinder manchmal gar nicht spa-like in den Algen- und Salzbecken. Heute bevorzugen wir eher die ruhigeren Zeiten. Oder eine der Massagen, die bei jedem Wetter guttun.
Mana Surf&Yoga
Michi
Zu sagen, Michi hätte ein Händchen als Windsurflehrer, wäre eine grobe Untertreibung. Egal ob Erwachsener oder Kind: 15 Minuten Grundlagen im Sand und ein paar Minuten später steht man im Wasser auf dem Brett – und fängt an zu surfen. Anschließend gibt es High-Fives für alle und nach sieben Stunden den Windsurfschein. Und man kann sich ziemlich sicher sein, beim nächsten Urlaub wieder mit dem Vornamen begrüßt zu werden.

Il Borgo
Burger im Dog Camp
Eine Zeit lang war die Aufregung um den Hundebereich groß auf dem Union Lido. Auch bei uns. Heute liegt dort unser Lieblingsrestaurant. Tagsüber bleiben wir manchmal am Pool stehen und schauen den Hunden beim Schwimmen zu. Abends sitzen wir unter den Lauben und essen Burger. So können sich Dinge ändern.

Bar da Italo
Cocktails und Chillen
Seit einiger Zeit wird der Nachbarplatz Italy vom Union Lido mit gemanagt. Dort liegt auch die Strandbar mit dem für uns schönsten Ambiente am Abend. Man sitzt näher am Meer als in den anderen Bars. Ein guter Platz für einen Sundowner.
Bilanz
Was nach 25 Jahren besonders bleibt
Nicht ein einzelner Ort. Eher die Kombination: Wohnwagen, Strand, Fahrräder, Kaffee, Venedig, bekannte Gesichter – und die Freiheit, heute nichts davon machen zu müssen.
Was sich verändert
Wer vor dem Wohnwagen sitzt. Was die Kinder machen. Welche Bar wie heißt. Wo wir einkaufen. Was wir mitnehmen. Und trotzdem erkennen wir diesen Urlaub sofort wieder.
Warum wir wahrscheinlich immer wieder kommen werden
Weil wir hier nicht mehr herausfinden müssen, wie Urlaub geht.